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March 18 2014

21:38

Sicher ist: nichts hilft nicht

“wenn er sich so in die nische setzte und vorsichtig im hintergrund hielt, konnte winston, wenigstens visuell, ausser reichweite des televisors bleiben.”

1984, george orwell

Genug davon, immer nur über Überwachung zu reden und beim ‘Man
müsste mal…’ stecken zu bleiben? Genug gelesen, genug offene Briefe geklickt? Ich habe mit unzähligen Menschen Gespräche darüber geführt, dass es nicht reicht. Dass endlich was passieren müsste. Warum denn niemand was auf die Beine stellt. Dass es fast zu spät ist. Dass dagegen nichts hilft. Sicher ist: nichts hilft nicht.

Was tun? Was tun!

Das Thema ist durch, es findet noch in den Netz- und Medienrubriken statt, aber ansonsten ist wieder Business as usual.

Ich habe mir vor ein paar Wochen mit einigen Leuten überlegt, dass wir nicht gut damit weiterleben, das einfach so hingenommen zu haben. Es wird auch schwierig werden, es unseren Kindern zu erklären.

Wir wollen uns gemeinsam mit vielen anderen überlegen, was wir tun können. Das kann viel sein: Demonstrationen, direkte Aktionen, mehr Briefe (naja), ein Bündnis der Gruppen und Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen und das gemeinsam lauter ist. Eine Plakatserie, ein Slogan, eine Kampagne für den nächsten Wahlkampf. Und das sind bloß die Sachen, die mir in ein paar Minuten einfallen. Um gemeinsam zu überlegen und dann gemeinsam zu planen, gibt es am 5. April ein Barcamp in Berlin. Kein Gezeter, kein Bullshit, keine Flügelkämpfe. Was tun.

Und wir wollen, dass Ihr kommt.

Wir, das sind Julia Kloiber, Moritz Tremmel, Benjamin Bergemann, neuerdings auch ths, und ich.

Wir haben es satt, und wir haben Lust, was zu machen.

Hier steht noch mehr: ausserreichweite.org

Hinter dieser Idee steht außer uns niemand und auch keine Geldgeber_innen. Es wird nicht luxuriös, aber es wird genug sein. Wenn Ihr kommt, meldet Euch bitte so verbindlich wie möglich an, damit wir wissen, wieviel Platz, wieviel Essen und Getränke wir brauchen. Und bringt dafür ein bisschen Geld mit.

Kontakt: info-at-ausserreichweite-org
PGP: pgp-at-ausserreichweite-org  (Public Key: 0xE3EE4182277E0A6F)
#wastun 
Twitter: @AusserRW

Zum Weiterverteilen:
ausser_reichweite-02

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March 07 2014

23:09

Keine Ausreden mehr für Männerüberhang

screenshotEs gibt sie endlich: die Speakerinnen-Liste. Eine Website mit Datenbank, über die Expertinnen für Konferenzen, Podien, Talkshows gefunden werden können.

Dickes DANKE! an die Berliner Rails Girls Gruppe, die das Projekt ganz in Ruhe und ohne Wirbel als Lernprojekt geplant und umgesetzt hat.

Viele zählen die Verteilung von Männern und Frauen auf Bühnen und ärgern sich über die häufig langweilig mit ähnlichen weißen deutschen Akademikern besetzen Veranstaltungen. Wenn Veranstalter_innen darauf hingewiesen werden, dass sie 60, 80, 100 Prozent Männer eingeladen haben, erklären viele, dass sie eben keine Frauen kennen oder gefunden haben, die zum Thema etwas hätte sagen können. Oder fordern auf, doch welche zu benennen, die so gut und kompetent über Thema XY reden können. Kann ich meistens nicht beantworten, weil ich mit den meisten Themen nicht gut genug auskenne.

Dass eine Datenbank nötig ist, ist seit langem klar.

Im IT-Bereich gab es vor Jahren mal ein ähnliches Projekt: Geekspeakr.com. Das wurde leider nicht weiter betrieben und ist inzwischen offline. Als der Netzfeminismus entstand, entstand provisorisch eine Liste mit Frauen, die zunächst über netzfeministische Themen sprechen können: Speakerinnen, vor allem von Kathrin Roenicke gepflegt.

Vor etwa anderthalb Jahren, nachdem sich bei Twitter mal wieder viele über die Besetzung einer Konferenz geärgert hatten, gab es einige Treffen und ziemlich konkrete Pläne. Die Pläne gingen baden, zuwenig Zeit, und dann gab es auch schon einige ähnliche Projekte. Da war auch schon ein Mitglied der Rails Girls dabei, und in aller Stille haben die dann einfach weitergearbeitet und mich etwa ein Jahr später kontaktiert und erklärt, sie seien jetzt fertig. Ich war ziemlich baff und habe mich enorm gefreut. Ich hatte selber in der Zwischenzeit mein Zählblog 50 Prozent gestartet, weil das weniger aufwändig ist und die reinen Zahlen als Argument auch wichtig sind.

Die neue Speakerinnen-Liste ist ungeheuer schick geworden und ist die beste Ergänzug zu meinen Zahlen. Vor zwei Tagen haben wir einige Frauen eingeladen, sich schonmal einzutragen und fast 50 haben das sofort gemacht. Heute, am 8. März, geht es los. Speakerinnen.org soll Veranstalter_innen, die oft wenig Zeit haben, erleichtern andere als die immer gleichen bekannten Namen einzuladen, sie soll Frauen ermuntern, bei einer Anfrage auch mal Ja zu sagen, auch wenn sie das Thema nicht im Schlaf herbeten können, und sie soll Mädchen und Jungen zeigen, dass Fachkompetenz nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Ich freue mich sehr, und hoffe, dass ich nie mehr die Frage beantworten muss, welche Frau es zum Urheberecht, zu Kryptographie oder zu Verfassungsrecht denn wirklich drauf hat.

Und ich hoffe, dass sich sehr viele Frauen eintragen.
(Dort zu stehen, verpflichtet übrigens zu gar nichts)

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(Ach ja, und es ist natürlich noch nicht alles fix und fertig, wie immer, wenn was zu einem bestimmten Datum raus soll.)

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March 03 2014

19:33

February 21 2014

19:36

Klick doch mal für die Hebammen

Ein Text woanders, nämlich im FAZ-Blog “10 vor 8″, der unter anderem von Annett Gröschner betrieben wird, die ich hiermit wärmstens empfehle, weil sie ganz wunderbare Texte schreibt. Und mich ob der Einladung sehr geschmeichelt fühlte.

Es geht um Hebammen, und um Petitionen, und warum sich nichts daran ändert, dass den Hebammen ihr Beruf und den Schwangeren das Kinderkriegen nach eigenen Vorstellungen und mit eigener Hebamme unmöglich gemacht wird. Obwohl soviele unterschreiben:

Letzte Woche wurde bekannt, dass es ab 2015 keine freien Hebammen mehr  geben wird. Der Deutsche Hebammenverband teilte mit, dass die letzten beiden Haftpflichtversicherungen für Hebammen zum 1. Juli 2015 aus dem Geschäft aussteigen.

Die Aufregung hält sich in Grenzen. Manche interessiert das Thema überhaupt nicht, für manche hat der Gewöhnungseffekt eingesetzt. Die Hebammen schon wieder. Protestieren die nicht ständig?

Die einen fragen sich entsetzt und ungläubig, ob es wirklich soweit kommen wird, dass es in Deutschland keine freien Hebammen mehr gibt. Die anderen fragen, wozu die denn nötig seien, immerhin könnten die Kinder doch genauso gut im Krankenhaus geboren werden.

Weiter bei “10 vor 8″.

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February 06 2014

13:03

Aus dem feministischen Bilderbuch: Medien und Frauen

lemon-medium_6893264486Mir ist vor einigen Monaten etwas passiert, dass in sovielen Aspekten direkt aus dem Bilderbuch kommen könnte, dass ich mich entschieden habe, es exemplarisch aufzuschreiben. Eine Geschichte über den Umgang mit Frauen in den Medien.

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob es richtig und klug ist, das öffentlich zu dokumentieren: in diesem Fall hatte ich mit einer Autorin und einer Redakteurin zu tun, und möchte ich die öffentlich in die Pfanne hauen? Eigentlich nicht. Möchte ich denjenigen Futter liefern, die jedes feministische Argument damit wegwischen, dass Frauen ja auch nicht besser seien? (In meiner Variante von Feminismus ist eh die Grundannahme, dass weder Männer noch Frauen besser als die jeweils anderen sind). Möchte ich nicht, aber ich möchte andererseits auch, dass Frauen im Fernsehen genauso oft und selbstverständlich als Expertinnen vorkommen wie Männer. Um das zu erreichen, scheint mir nötig, Erlebnisse wie dieses zu dokumentieren.

Irgendwann letzten Herbst erreichte mich eine E-Mail einer Journalistin, die Andrej Holm angeschrieben hatte, weil sie ihn für eine Sendung über Datenschutz einladen wollte. Er hatte nicht reagiert und so bat sie mich, den Kontakt herzustellen. Es kommt in unregelmäßigen Abständen vor, dass Journalist_innen von Andrej keine Rückmeldung bekommen oder erst gar nicht versuchen, ihn im Netz zu finden und es dann über mich versuchen. Das begeistert mich mäßig, mir reicht eigentlich mein eigenes Mail-Aufkommen. Es ist auch nicht schwierig, seine Kontaktdaten zu finden. Ich habe ihm diese Anfrage – wie immer – weitergeleitet, und er antwortete ihr wie immer in solchen Fällen: er ist der Meinung, dass sein Fall ausreichend medial dokumentiert ist, er hat mehr als genug mit Anfragen zu seinem eigentlichen Thema zu tun (Gentrifizierung) und verweist darauf, dass ich mich mit dem Thema inhaltlich viel mehr beschäftige, gleichermaßen von Überwachung betroffen war und deswegen die bessere Alternative sei.

Reaktion der Journalistin: ich hätte auf die Anfrage ja nicht reagiert, aber ob ich denn bereit wäre, seinen Part zu übernehmen? Bei mir war nur die Bitte angekommen, ob ich Kontakt zu Andrej herstellen könne. Selbstverständlich reagiere ich nur auf Anfragen, die mich betreffen.

In derselben Mail stand auch, dass der erste eingeladene Gast mich auch schon für die Sendung empfohlen hatte. Und so, nach der Empfehlung von zwei Männern, wurde ich also eingeladen.

Wir haben dann zur Vorbereitung der Sendung telefoniert. Während des Telefonats war mir wichtig zu klären, dass ich nicht lediglich als Betroffenene von Überwachung vorkommen möchte, sondern gleichberechtigt zum ersten Gast als Expertin zum Thema Datenschutz und Überwachung. Ich hatte den Eindruck, dass die Journalistin nicht völlig von der Idee überzeugt war. Nicht überraschend, wenn sie mich bis dahin überhaupt nicht kannte – soweit konnte ich das gut verstehen. Nachdem ich aber ja von Gast 1 empfohlen worden war, seit vielen Jahren zum Thema der Sendung schreibe und in dem Bereich auch arbeite, hat sie zugestimmt und mir garantiert, dass auch ich als Expertin eingeladen sei.

Dazu muss ich sagen, dass ich es ausgesprochen unangenehm finde, mich derart anzubiedern und explizit etwa den Status ‘Expertin’ einzufordern. Mir hätte gereicht, wenn wir uns darauf geeinigt hätten, dass ich nicht nur über meine individuelle Erfahrung spreche, sondern auch allgemeiner zu den aktuellen Fragen rund um die Themen Datenschutz und Überwachung.

Unter dieser Voraussetzung habe ich zähneknirschend zugestimmt, für ein Honorar von 150 Euro quer durch die Republik zu reisen und mir dafür auch einen (besser bezahlten) Arbeitstag ans Bein zu binden. Ich fand (finde) das Thema wichtig und die Aussicht, eine einstündige Sendung zum Thema für’s öffentlich-rechtliche Fernsehen zu produzieren, sinnvoll.

Die Vorbereitung der Sendung wurde einigermaßen umfangreich: es wurde gefragt, ob ich aus Verfahrensakten vorlesen könne, was ich sicherheitshalber mit Anwält_innen klären musste. Es ist in Deutschland u.U. strafbar, aus solchen Akten zu zitieren, auch den eigenen. Ich habe mehrere Anwält_innen gefragt und dazu auch unterschiedliche Antworten bekommen. Ich habe zur Vorbereitung mehrere Stunden lang Akten gelesen, um die gewünschte Authentizität herstellen zu können. Ich bekam eine DVD mit Einspielern, die während der Sendung gezeigt werden sollten, und wurde gebeten, sie zur Vorbereitung anzusehen, außerdem den geplanten Ablauf der Sendung mit den Fragen, die mir gestellt werden sollten.

Die Sendung selbst wurde dann in einem Studio in einem Durchlauf aufgezeichnet. Gast Nr. 1 war bis Minute 44 der einstündigen Sendung alleiniger Gesprächspartner der beiden Moderator_innen, hatte Raum, sich selbst, seine Arbeit und seine Expertise vorzustellen. Mein Part begann nach einem Einspieler ab Minute 46, gemeinsam mit Gast 1, der mit mir die restliche Sendezeit bestritt.

In den Fragen an mich ging es um mein Erleben von Überwachung. Von den ‘Fach-Fragen’ blieb eine übrig.

Ich war nach dem Ende der Aufzeichnung ziemlich perplex. Es war genau das eingetreten, was ich vermeiden wollte und weswegen ich das auch extra im Vorgespräch besprochen hatte: ich kam, mit Ausnahme einer Frage, ausschließlich als Opfer vor.

Ich habe diese Rolle oft gehabt, es gehört zu meinem Leben, dass ich die Geschichte erlebt habe und ich habe an sich auch nichts dagegen, sie zu erzählen, im Gegenteil. Ich halte es für wichtig, dass solche Geschichten im öffentlichen Bewusstsein bleiben und ich wünschte, es gäbe mehr Betroffene, die mit ähnlichen Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen. Nur: ich bin nicht nur Opfer, ich bin nicht nur die Partnerin von Andrej Holm. Ich habe zum Thema mehr zu sagen als das. Es ist nicht akzeptabel, neben einem als solchen präsentierten männlichen Experten auf die Opferrolle reduziert zu werden und (fast) nur dazu etwas sagen zu dürfen, in einer Sendung, die eine Stunde dauert.

Ich habe das der Autorin und der Redakteurin hinterher auch gesagt. Beide waren ziemlich überrascht, dass ich mit der Sendung überhaupt nicht zufrieden war und mein Eindruck war, dass es ihnen durchaus leid tat, dass mich das geärgert hat.

Ich frage mich, was ich noch hätte tun können, um zu vermeiden, dass es so abläuft. Ich fand schon nicht einfach, das Problem im Vorfeld überhaupt anzusprechen und so darauf zu drängen, dass ich auch inhaltlich etwas betragen könnte. Faktisch ging es mir während der laufenden Sendung so, dass ich mich bei einzelnen Punkten besser auskannte als der Experte, oder zumindest als das, was er in dem Moment gesagt hatte.

Ich habe mir den geplanten Sendeablauf hinterher nochmal angesehen und erkannt, dass sich das Problem auch in den Planung schon abzeichnete: Geplant war, dass ich ab Minute 40 auftauche. Nun bin ich keine geübte Sendeplan-Leserin und habe manchmal auch noch anderes zu tun. Selbst wenn es mir aufgefallen wäre: die Fahrkarten und das Hotel waren gebucht, und ich bekam den Plan sechs Tage vor der Sendung. Hätte ich nach anderthalb Monaten Planung absagen sollen, weil ich nur 20 Minuten statt 30 eingeplant war? Kaum. Aber ich hatte das eben auch gar nicht gesehen, sondern mich auf den Inhalt und die Fragen konzentriert.

Mir wurde dann, nachdem ich allen Beteiligten hinterher beim Essen meinen Ärger mitgeteilt hatte, noch ein Interview für die Sendungsseite angeboten. Der Experte kokettierte: “Oh! Habe ich wieder zuviel geredet?” Das Interview wurde später telefonisch geführt, und war auch eine eher ernüchternde Erfahrung: aus einem längeren Telefonat, das offenbar nicht aufgezeichnet und (teilweise) transkribiert wurde, schrieb die Autorin ein Interview, das jede Menge Fehler enthielt. Mir wurden Sätze in den Mund gelegt, die ich nie sagen würde. Ich bin mit Interviews an sich nicht pingelig, würde ich sagen, aber “Nicht chatten, sondern stattdessen seine E-Mails verschlüsseln” würde mir aus verschiedenen Gründen nicht über die Lippen kommen, und das ist nur ein Beispiel von vielen. Für eine ausführliche Überarbeitung war kaum Zeit, es musste am nächsten Tag fertig sein. Zurückziehen oder zähneknirschend zustimmen? Ich habe die hastig überarbeite Fassung dann abgenickt. Wie gesagt, ich bin keine Freundin des Zwangs der Autorisierung, aber in dem Fall war sie nötig.

Die zugesagten Links zu meiner Arbeit auf der Sendungs-Homepage fehlen; das “Interview” ist auch erst nach zwei Klicks zu erreichen.

Für mich ist das Ganze eine Erfahrung wie aus dem feministischen Bilderbuch: ein Mann als Experte, eine Frau als Opfer und Illustration des bisher Gesagten. Trotz ausführlicher Absprache im Vorfeld ändert sich an diesem stereotypen Ablauf nichts.

Mir geht es, wie gesagt, nicht darum, die Verantwortlichen zu denunzieren. Aber um am offenbar fest einzementierten Frauenbild der ‘alten’ Medien etwas zu ändern, ist der erste Schritt, über solche Erfahrungen zu reden.

Bild: ‘Ajnagraphy’ via photopin, CC-BY-ND-Lizenz

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Tags: Medien O+
Reposted bygreemin greemin

February 04 2014

10:39

Zweimal Digitale Sicherheit für Journalist_innen

Ich war in den letzten Monaten zweimal auf Podien der Deutschen Welle Akademie zum Thema “Digitale Sicherheit für Journalist_innen” eingeladen, mit jeweils ziemlich interessanten Ko-Panelist_innen. Wer möchte, kann sich das hier angucken.

Beim ersten waren Christian Stöcker (Spiegel Online), Hauke Gierow (Reporter ohne Grenzen) und Ala’a Shehabi (Bahrainwatch.org) dabei, moderiert von Jaafar Abdul-Karim. Insbesondere Ala’s Shehabi, die selber Ziel von Angriffen war, war beeindruckend:

Beim zweiten, in Kooperation mit dem ARD Hauptstadtstudio, mit John Goetz (NDR), Zahi Alawi, (Deutsche Welle), Malte Spitz (Bündnis 90/Die Grünen), William Echikson (Google External Relations), moderiert von Holger Hank (DW Akademie Digital).

(Irgend wann schreibe ich ein Extra-Blogpost zur Neigung der Leute in der Maske, lange Haare zu toupieren.)

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February 01 2014

23:35

Laura Poitras redet über ihre Arbeit

In Berlin findet gerade die Transmediale statt, das jährliche Festival zu Kunst, Kultur und Technologie. Von Berlin ziemlich ignoriert zieht die Transmediale eher internationales Publikum an. Ich verstehe das ein bisschen: eine andere (Sub-)Kultur, allein das Setting im Haus der Kulturen der Welt strahlt für viele etwas Elitär-Bürgerliches aus. Was dem HdKdW unrecht tut, denn es ist nicht nur ein angenehmer Ort im Tiergarten, direkt an der Spree, sondern es gibt dort regelmäßig gute, interessante, politische Veranstaltungen. Auch bei der Transmediale ist das so. Es gibt jedes Mal sehr politische Inhalte und Referent_innen, die nicht gefühlt immer überall schon sind. Sollte sich das politische und das Netz-Berlin nicht so entgehen lassen.

Zu teuer? Ich habe mich zigmal als Bloggerin akkreditiert und keinen Cent gezahlt. Zugegeben wirkt es selbst für mich, die ich keine große Nähe zu Kunst und Kultur habe, manchmal so, als ob das Geklüngel groß wäre, aber das Ergebnis lohnt sich trotzdem. Ein paar Bilder aus der Ausstellung Art Hack Day sind unten zu sehen.

Empfehlen möchte ich heute Laura Poitras, die gemeinsam mit Trevor Paglen und Jake Applebaum eine Keynote gefüllt hat. Trevor Paglen war auch interessant, dessen Talk beim 30C3 hatte ich schon empfohlen.

Laura Poitras erklärte als Erstes, dass sie keine Neuigkeiten enthüllen werde, dass darauf wartenden Journalist_innen also auch gut etwas trinken gehen könnten. Was sie dann erzählt und gezeigt hat, was trotzdem spannend und bewegend. Sie ist sehr unaufgeregt und keine empathische Selbstdarstellerin, was ich sehr angenehm finde. Sie erklärte, wie sie arbeit und was ihre Motivation ist. Ihr Thema sind die USA. Das brachte sie dazu, sich mit 9/11 zu beschäftigen, mit dem Irak-Krieg, mit Guantanamo, dem Krieg gegen den Terror und schließlich mit den Enthüllungen von Edward Snowden. Sie ist wahnsinnig mutig. Sie zeigt einige Clips, die sämtlich ziemlich beeindruckend sind:

Der Auftritt konterkariert sehr schön etwas, was ich in den letzten Wochen in Berlin beobachte: einen ansteigenden Hype um die so genannte “Whistleblower-Community” in Berlin. Das reicht bis hin zu einem boulevardesken Beitrag des ARD-Morgenmagazins, in dem sich eine Reporterin auf die Suche nach den sich in Berlin versteckenden Whistleblowern und ihrem Unterstützer_innen-Netzwerk macht, sie aber nicht findet. Sehr skurril, denn offensichtlich ist es ja nicht schwierig. Manchmal sitzen sie sogar ganz öffentlich auf Bühnen.

Last but not least ein paar Eindrücke aus Art Hack Day. Es ist ziemlich dunkel da drin, daher fast nur Text. Guckt es Euch an. Mir gefiel die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen NSA und Überwachung.

™-bitAbmahnungen für Pastebin-Inhalte?

™-honeypotHoneypot, in dem Fall für Smartphones.

™-data-retentionDazu ist ein Monitor zu sehen, auf dem die Inhalte, die auf dem Rechner gefunden wurden, in schnellem Wechsel zu sehen sind.

™-imsi

 

DSC_1362Keine ganz neue Idee und nicht unumstritten.

 

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Reposted by02mydafsoup-01entspanndich

January 29 2014

23:26

Die Gedanken sind frei

Dieser Text ist zuerst im Buch “Überwachtes Netz” erschienen, das als eBook für 7,99 Euro und als gedrucktes Buch für 14,90 Euro zu kaufen ist, außerdem bei netzpolitik.org.

Hast du eigentlich irgendwas an deinem Verhalten geändert nach den Snowden-Leaks?

Meine erste Reaktion auf die Frage war anfangs „Nein“. Ich habe vorher schon E-Mails verschlüsselt, benutze Browser-Add-Ons gegen Tracking durch Unternehmen; ich weiß, dass Überwachung stattfindet. Seit Jahren nerve ich meine Umgebung mit Erklärungen, warum ich keine Post von Gmail-Accounts kriegen will: Weil bekannt ist, dass Google seine Services nicht verschenkt, sondern eine Gegenleistung erwartet, nämlich Informationen über die Nutzer/innen, und dazu auch in den Mails nach interessanten Details sucht. Inklusive der Informationen über die, mit denen korrespondiert wird, auch wenn die keine Mail-Accounts bei Gmail haben.

Wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass nicht ganz stimmt, dass sich nichts geändert hat. Ich verschlüssele wieder mehr. Nicht nur E-Mails, in denen Telefonnummern, Adressen oder andere persönliche oder politische Informationen stehen, von denen ich denke, dass sie niemanden etwas angehen, sondern auch E-Mails mit vollkommen banalem Inhalt. Auf mehreren meiner Mailinglisten wurde darum gebeten, dass Mail-Adressen bei den Providern, bei denen durch die Snowden-Leaks bekannt wurde, dass sie Daten an die NSA weitergeben, bitte durch andere ersetzt werden mögen. Gefolgt von der obligatorischen Debatte, welche Anbieter denn besser wären: lokale kommerzielle Anbieter, weil die Daten dann vielleicht nicht durch Unterseekabel sofort bei GCHQ und NSA landen? Lieber keine kommerziellen Anbieter, weil die im Zweifelsfall nicht mitteilen würden, dass eine Strafverfolgungsbehörde vor der Tür stand und wissen wollte, wer wem wann was geschickt hat, oder womöglich dem BND die Daten direkt weiterleiten, genauso wie es in den USA passiert? Nur welche mit Servern in Island? Oder doch in den USA, weil es da keine Vorratsdatenspeicherung gibt? Ein derzeit nicht aufzulösendes Dilemma, weil wir nicht alles wissen und weil es keine gute Alternative gibt.

Natürlich gibt es kein Szenario, das vor allen denkbaren Gefahren schützt; das war schon vor den Leaks klar. Seit wir aber wissen, dass die Realität alle paranoiden Ideen lässig überholt, wissen wir etwas besser, dass wir mit etwas Aufwand zwar manchen Facetten der Überwachung begegnen können. Vor allem aber wissen wir, dass sehr viel mehr überwacht wird, als die es sich die meisten vorher vorstellen wollten.

Wenn Gartenbau verdächtig macht

Zurück zu meinem eigenen Verhalten: Ich merke, dass es einen Unterschied macht, ob ich nur vermute, dass jemand mitliest und nachschaut, für welche Websites ich mich interessiere, oder ob ich weiß, dass das geschieht. Es ist einfacher, die Vermutung zu verdrängen als das Wissen. Auch wenn es kein Mensch ist, der irgendwo sitzt und liest, ist jetzt klar, dass alles gespeichert und automatisiert durch ein Raster gezogen wird. Wie das Raster genau funktioniert, wissen wir nicht, aber dass zumindest Teile unserer Kommunikation betroffen sind, wissen wir schon. Es wird nach Auffälligkeiten gesucht; nach allem, das sich vom normalen Kommunikationsverhalten unterscheidet. Von meinem normalen Kommunikationsverhalten und vom allgemein üblichen Kommunikationsverhalten.

Verschlüsselte E-Mails werden länger aufgehoben, denn die sind verdächtig. Wenn ich mit bestimmten Menschen regelmäßig verschlüsselte E-Mails austausche und zwischendurch ausnahmsweise nicht, ist das möglicherweise auch verdächtig. Zumindest auffällig. Als Methode ist das nicht neu, aber neu ist, dass alle davon betroffen sind. Ich spüre also bei allem, was ich tue, dass mir jemand Unsichtbares über die Schulter sieht und denke darüber nach, ob ich bestimmte Websites wirklich aufrufen sollte. Ich lasse mich letzten Endes nicht davon abhalten, aber der Gedanke taucht manchmal auf. Was sind Auffälligkeiten in meinem Verhalten? Wenn ich plötzlich nach Gartenbau-Geschäften suche, obwohl ich keinen Garten habe und mich noch nie dafür interessiert habe? Oder wenn ich drei Artikel über Brandanschläge auf die Berliner S-Bahn lese und ein paar Tage vergesse, die Tabs im Browser wieder zu schließen? Können die sehen, dass ich meistens mit Google suche, aber manchmal auch nicht? Und was?

An diesem Punkt angekommen denke ich, dass ich damit aufhören sollte, Paranoia zu entwickeln. Ich bin keine muslimische Fundamentalistin und es ist unwahrscheinlich, dass ich versehentlich für eine gehalten werde. Für Aktivistinnen außerhalb der USA und Großbritannien interessieren sich NSA und GCHQ nicht besonders, und die deutschen Behörden wissen in etwa, was ich so mache. Das hilft nicht immer, schon klar, aber für die meisten stimmt es schon. Für alle aus arabischen Ländern oder mit arabischen Namen allerdings sieht es schon wieder anders aus.

Viele fühlen sich also nicht wirklich persönlich bedroht. Wir sind nicht die Terroristen, die sie suchen. Und weil alle überwacht werden, verschwinden wir irgendwie in der Masse. Es ist unvorstellbar, wie aus der Datenmenge etwas entstehen kann, das tatsächlich mich persönlich gefährdet. Dazu kommt, dass die Totalität der Überwachung und die Menge der (demokratisch legitimierten) Behörden, die darin verstrickt sind, schwer zu begreifen sind.

Bedrohlicher ist die Massenüberwachung auf einer abstrakteren Ebene für Menschen, die sich mit dem Alltag von Strafverfolgungsbehörden oder Geheimdiensten beschäftigen, für die, die besser verstehen, welche Macht in technischen Systemen liegt und für die, die sich Gedanken über politische Systeme und die Idee der Demokratie machen.

Weniger bedrohlich ist sie für Menschen, die andere, spürbarere Probleme haben; weil sie von der Wirtschaftskrise betroffen sind — viele Menschen in anderen europäischen und nicht-europäischen Ländern — oder weil sie viel direktere Formen von Überwachung erleben, z.B. Trojaner-Viren, die von Regierungen gegen die Opposition eingesetzt werden.

Wer beobachtet wird, ändert das Verhalten

Ein zentrales Problem der Überwachung für alle ist, dass wir unser Verhalten ändern, wenn wir wissen, dass wir beobachtet werden. Das ist vielfach erforscht und beschrieben worden. Damit erleben wir eine direkte Einschränkung von elementaren Freiheiten und Grundrechten, in erster Linie der Meinungsfreiheit. Das wirkt sich auf alles aus, was wir öffentlich sagen oder schreiben und natürlich auch auf Situationen, von denen wir annehmen, dass sie nicht-öffentlich sind: etwa private E-Mails und Gespräche, nicht-öffentliche Websites oder auch alle scheinbar durch Privacy-Einstellungen geschützten Online-Plattformen wie Facebook oder Flickr. Wenn wir aber nirgends den Raum haben, frei zu sagen oder zu schreiben, was wir denken und damit auch keinen Raum haben, Gedanken zu entwickeln, zu testen und zu überprüfen: Wieviel Freiheit bleibt dann noch?[*]

Ich weiß das alles und habe dennoch den Eindruck, dass sich an meinem Verhalten nicht viel ändert. Ein bisschen mehr Verschlüsselung, ein bisschen weniger Google-Suche. Ich schalte mein Smartphone öfter aus und achte darauf, dass es nicht den ganzen Tag auf meinem Schreibtisch liegt. Die Kamera an meinem Laptop war vorher schon abgeklebt, seit den Leaks lege ich auch etwas auf die Kamera meines Telefons. Ich schreibe meistens, was ich für richtig halte.

Andererseits: Wie wäre es, wenn ich sicher sein könnte, dass wirklich niemand mitläse? Bzw. meine (mehr oder weniger) öffentlichen Texte auf mögliche terroristische, kritische, auffällige Inhalte überprüfte und in unbekannte Kategorien von Geheimdienst-Datenbanken einsortierte?

Eine weitere Auswirkung sind die vielen Gespräche mit Leuten, die jetzt gern verschlüsseln würden, aber nicht wissen, wie. Dann kam die Nachricht, dass auch Verschlüsselung geknackt werden kann. Danach Gespräche darüber, ob das stimmt, in welchen Fällen das stimmt und wen das betrifft.

Mit „E-Mail made in Germany“ wollen Telekom, WEB.DE und GMX sichere E-Mail anbieten, aber was heißt eigentlich sicher? Was meinen sie mit „verschlüsselt“? Oder ist das den Leuten nicht sowieso egal, weil die sich nur kurz beruhigen und dann wieder mit was anderem beschäftigen wollen? Macht es Sinn, damit anzufangen, Leuten das Verschlüsseln beizubringen, wenn sie sich letztlich doch nicht von ihrer Webmail trennen werden und alles andere zu kompliziert finden, um es regelmäßig in ihren Alltag zu integrieren? Besser wäre, dazu beizutragen, dass die nötigen Werkzeuge einfacher zu benutzen sind. Trotzdem wird es sie nicht heute und auch nicht im nächsten Monat geben.

Die Liste der Sachen, die ich mir genauer durchlesen will, damit ich besser verstehe, worauf es bei bestimmten Sicherheitsmaßnahmen ankommt, wächst. Immerhin ist es beruhigend, zu sehen, dass Krypto-Expert/innen aller Gewichtsklassen ständig diskutieren, worauf es wirklich ankommt und sich selten einig sind, was der beste Schutz ist: Das zeigt, dass es fast unmöglich ist, alles richtig zu machen. Gleichzeitig auch beunruhigend, denn die andere Seite wirkt doch ziemlich entschlossen.

Ausgehend von dem Wissen, dass es auch digital keine absolute Sicherheit gibt, bin ich schon länger der Meinung, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist, so viel wie möglich zum eigenen Schutz zu tun. Es ist ja auch kein großes Problem, Türschlösser zu knacken und wir schließen trotzdem hinter uns ab, in der Hoffnung, dass das zu erwartende Gefummel mögliche Einbrecher/innen eher abhält als eine weit offen stehende Tür.

Nichts zu verbergen

Früher oder später taucht jemand auf, der oder die nichts zu verbergen hat. Schon gar nicht vor der NSA oder anderen Geheimdiensten. Für diesen Fall sitzt locker in der Hosentasche ein kleines Set an Argumenten:

  • die Leute, die in Mails oder in ihren Facebook-Profilen missverständliche Scherze gemacht haben und deswegen nicht in die USA einreisen durften oder gleich festgenommen wurden
  • die Leute, denen etwas Ähnliches in Europa passiert ist
  • die Leute, die lieber nicht wollten, dass Arbeitgeber/in oder Familie von der Abtreibung oder Affäre erfahren
  • der Stalker
  • die Steuererklärung
  • Firmen-Interna
  • der Unterschied, ob ich freiwillig entscheide, Informationen über mich weiterzugeben oder ob ich dazu gezwungen werde

Auf der anderen Seite gibt es die, die lakonisch bis überheblich erklären, dass das alles nichts Neues sei, dass sich nichts Relevantes getan hat und deswegen auch keine Notwendigkeit besteht, irgendetwas zu ändern.

Ja, wir wussten von Echelon und wir wussten auch durch die früheren Whistleblower, dass die NSA in Utah einen großen Datenspeicher baut. Eins der beliebtesten Gesprächsthemen im Bereich Computersicherheit ist die Fachsimpelei, wie viel Rechenkapazität nötig ist, um Schlüssel dieser oder jener Länge zu knacken und wie lange das dauern wird. Selten kommt in diesen Gesprächen die Frage vor, was das jeweils kostet und ob Behörden bereit und in der Lage sind, die entsprechenden Ressourcen einzusetzen. Meiner Meinung nach ist die Option, dass etwas in x Jahren geknackt werden kann, das beste Argument dafür, so viel wie möglich zu verschlüsseln, auch wenn ich davon ausgehe, dass möglicherweise in 10 Jahren diese oder jene Mail von mir gelesen wird. Denn je mehr verschlüsselt ist, desto mehr sinkt auch die statistische Wahrscheinlichkeit, dass meine Mails bei denen dabei sind, die tatsächlich entschlüsselt werden.

Und Google Earth?

Schließlich gibt es regelmäßig Diskussionen, die sich darum drehen, dass sich viel zuwenig Menschen dafür interessieren, was die Snowden-Leaks ans Licht gebracht haben. Warum gibt es in Deutschland einen Aufstand, wenn Google-Autos Häuser fotografieren, aber nicht, wenn Inhalte und Meta-Daten unserer gesamten digitalen Kommunikation überwacht werden?

Die einfache Interpretation ist, dass die Menschen eben einfältig sind und dazu von tiefsitzendem Anti-Amerikanismus beseelt. Ich halte das für falsch und zudem arrogant. Falsch, weil nicht überraschend ist, dass etwas, das sichtbar und dessen Auswirkungen damit vorstellbar sind (die Google-Autos und die Bilder der Häuser im Netz), viel mehr Angst erzeugt als die völlig abstrakte Überwachung durch NSA, GCHQ und womöglich auch den BND.

Arrogant ist es, weil wir auf demokratische Weise nur dann etwas ändern können, wenn viele etwas ändern wollen. Wir müssen nicht alle einer Meinung sein, aber wir müssen am selben Strang ziehen. Aus den beschriebenen Gründen gibt es weniger Angst vor Überwachung als angemessen wäre, aber wenn es sie gibt, dann müssen wir das nutzen, um politisch etwas zu ändern. Genauso ist es unser Job, das Abstrakte und schwer Vorstellbare an der Überwachung, die wir jetzt sehen, besser zu erklären und vorstellbar zu machen. Und unser Wissen darüber zu teilen, wie wir uns dagegen schützen können. Natürlich ist es ein Problem, dass so viele Menschen viele Informationen scheinbar freiwillig an die Unternehmen weitergeben, die direkt mit den Geheimdiensten kooperieren. Mindestens genauso so problematisch ist aber, dass das Wissen darüber, wie digitale Kommunikation und technische Netzwerke funktionieren, für viele immer noch eine Art Geheimwissen ist.

Wenn sich alle trauten, ihre scheinbar dummen Fragen zu stellen, wären wir einen großen Schritt weiter.

[*] Danke an Antje Schrupp für „Mein Problem mit Post-Privacy

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January 20 2014

21:54

Warum protestiert eigentlich niemand?

schildgemachtBeim Jahresrückblick des Chaos Computer Clubs (CCC) während des 30C3-Kongresses Ende Dezember in Hamburg berichtete Constanze Kurz: »Es gibt eigentlich kein Interview, was wir seit diesen Monaten geführt haben, das nicht auch die Frage enthält: ›Wie erklären Sie sich denn, dass sich niemand empört?‹. Und nach dem Wahlergebnis: ›Wie erklären Sie sich denn dieses hohe Wahlergebnis für Merkel?‹«.

Constanze Kurz gehört zum Presseteam des CCC. Die Frage, die sie wieder und wieder beantworten soll ist, warum es keine größeren Proteste gegen die Durchleuchtung aller Kommunikation durch die Geheimdienste gibt, die die Leaks von Edward Snowden seit Juni vergangenen Jahres ans Licht bringen.

Es hat wenig Protest gegeben

Es hat wenig Protest gegeben, das stimmt. Was nicht stimmt ist, dass sich die meisten nichts daraus machen, dass die Regierungen, die sich gern selbst als gutes Beispiel für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit präsentieren, offensichtlich lügen. Und zwar nicht nur andere Regierungen belügen, sondern die jeweils eigene Bevölkerung.

Genauso wenig stimmt, das sich die meisten nichts daraus machen, dass ihre vermeintlich private Kommunikation gerastert und gespeichert wird. Ich habe jahrelang wie Don Quijote gegen die Windmühlen gekämpft bei dem Versuch, Menschen dazu zu bewegen, kein Googlemail zu benutzen oder ihre Mails sogar zu verschlüsseln.

Textbausteine, die ich im Schlaf aufsagen konnte, sind plötzlich überflüssig geworden. Stattdessen werde ich jetzt gefragt, welche Mailprovider denn sicher seien. Wenn ich wollte (und die Zeit hätte) würde ich den ganzen Tag nichts anderes machen, als zu erklären, was Metadaten sind oder was als Alternative zu Skype benutzt werden kann. Woher kommt also die Erzählung, niemand interessiere sich für das, was wir seit Juni wissen?

Irgendwann hat eine Gewöhnung eingesetzt an Artikel mit vielen Ausrufezeichen, die über neue Enthüllungen berichteten. Eine Ausnahme war Merkels Handy, aber als im Oktober bekannt wurde, dass sogar! das! Handy! der! Kanzlerin! …, verschwammen die einzelnen Skandale schon zu einer trüben Brühe. Merkels Handy und die seltsamen Aufbauten auf den Botschaften am Brandenburger Tor lösten Begeisterung und ein bisschen Gruseln in den Redaktionen und sonst Schadenfreude aus. Es hatte keinen Aufstand gegeben. Es gibt Gründe für den fehlenden Aufstand.

Grund Nummer eins

Ein Grund ist das Ohnmachtsgefühl, das viele angesichts des Ausmaßes an purer, von demokratischen Grundideen ungetrübter Herrschaftsausübung hatten. Die Bundesregierung hatte dazu maßgeblich beigetragen, als sie deutlich machte, dass ihre Loyalität der US-Regierung und nicht der Bevölkerung in Deutschland galt.

Auf die Straße gehen, wenn ein Apparat aus mehreren Regierungen und unkontrollierten Geheimdiensten auf der anderen Seite steht? Wenn die Bundesregierung, nachdem von ihrer Souveränität nur noch Fetzen übrig sind, unterwürfig nach Washington reist und darum bittet, das Vertrauen wiederherstellen zu dürfen? Um das Gefühl auszulösen, dass dagegen etwas auszurichten sei, wäre eine große Bewegung nötig gewesen.

In Deutschland gab es eine Bewegung, die sich gegen ACTA, gegen die Vorratsdatenspeicherung und für viele andere Netzthemen eingesetzt hat, auch auf der Straße. Sie war nicht klein. Die »Freiheit-statt-Angst«-Demonstrationen in Berlin sind international legendär. Von der Bewegung war nichts zu sehen.

Irgendwann im Spätsommer, nach der Bundestagswahl, haben sich einige an der Idee versucht, die gesamte Netzpolitik sei tot. Das ist Quatsch. Politikbereiche lösen sich nicht eben in Luft auf, aber die Frage stand schon deutlich im Raum, warum der NSA/GCHQ/BND-Skandal die Wahl nicht so beeinflusst hat, wie es vier Jahre zuvor die Internetsperren und »Zensursula« getan hatten.

Grund Nummer zwei

Die Bewegung war zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt in der Versenkung verschwunden. Eine Ursache ist, dass offenbar viele das Verfassen von Online-Petitionen und Offenen Briefen mit effektivem Protest verwechseln. Sie sind nicht falsch, und es schadet wahrscheinlich auch nicht, Forderungen durch entweder viele Klicks oder bekannte Namen Nachdruck zu verleihen.

Aber, wie mein Kollege Kaustubh Srikanth ebenfalls beim CCC-Kongress in Hamburg sagte: »Change doesn‘t happen unless a bunch of people go in the streets and protest« (Es gibt solange keine Veränderung, bis ein Haufen Leute auf die Straße geht und protestiert). Er sprach über Überwachung in Indien und darüber, wie sich »die größte Demokratie der Erde« ungestört in einen Überwachungsstaat verwandelt: u.a. weil es keine Bewegung und keinen Protest auf der Straße dagegen gibt. Es ist zu befürchten, dass sich die aktuelle deutsche Regierung davon ein paar Details abgucken wird.

Und so gibt es inzwischen eine endlose Zahl von Resolutionen, 10-, 12- oder 13-Punkte-Papieren, Offenen Briefen und Appellen, die Regierungen oder internationalen Institutionen empört überreicht wurden, zu denen Unterschriften gesammelt werden und die bei Facebook geteilt werden.

Grund Nummer drei

Schriftsteller_innen, Richter_innen, Wissenschaftler_innen: alle haben ihre Bedenken wohlbegründet vorgetragen. Gute Texte, wirklich. Aber es ist ein Riesenmissverständnis, zu erwarten, dass das allein irgendetwas ändert. Stattdessen steckt viel Arbeit und diplomatische Verhandlung in den Texten. Ein Teil dieser Energie hat anderswo gefehlt. Die Energie, die in politischer Motivation steckt, lässt sich nicht einfach von hier nach da verschieben, insofern lässt sich den Initiator_innen der Appelle nicht vorhalten, sie hätten besser was anderes gemacht. Aber sie müssen sich schon fragen lassen, welches Bedürfnis sie mit der zigsten Petition befriedigt haben.

Es kommt vor, dass sich Protest spontan entlädt, aber in der Regel ist für Proteste in einer Größenordnung, die von Medien und damit Regierungen als relevant anerkannt wird, eine Infrastruktur nötig, für die Menschen, Erfahrung, Bereitschaft, Zeit und Geld gebraucht werden. Die gab es, aber just im letzten Jahr hatten sich die Beteiligten der vorigen Jahre frühzeitig – vor den Snowden-Leaks – in Konkurrenzen und Privatfehden verstrickt. Und weil die Bedeutung der inzwischen traditionellen Demo nach dem Sommer bis zum Juni nicht absehbar war (auch kein Thema wie »Zensursula« in Sicht), war das einst große Bündnis ziemlich ausgedünnt, als klar wurde, dass das Thema größer war als alle anderen (Netzthemen) vorher.

Grund Nummer vier

Manche waren mit sich oder anderen Themen beschäftigt, andere hatten eine Partei gegründet. Viele von denen, die vor Jahren »die Netzaktivist_innen« waren, sind inzwischen bei den Piraten und rund um die Uhr mit Geschäftsordnungsanträgen, Listenparteitagen oder Flügelkämpfen beschäftigt. Dazu war Wahlkampf, und es sah nicht so gut aus für die Piraten. Sicher haben auch Piraten mobilisiert und waren an zahlreichen kleineren Protestaktionen beteiligt – aber eben mit orangenen Fahnen und Flugblättern, und wurden damit von Medien wie allen anderen vor allem als wahlkämpfend wahrgenommen. Spürbarer Teil der Netzpolitik-Bewegung, die sich für ein Thema engagiert, waren sie damit nicht mehr.

Und schließlich, nicht zu unterschätzen, die Fähigkeit von Angela Merkel, Themen schweigend auszusitzen, bis sich alle in das scheinbar Unvermeidbare fügen und sich mit dem Verhandeln von Sachzwängen und Nebensätzen beschäftigen.

Das Gute: es ist nicht zu spät. Wir haben schließlich nichts mehr zu verlieren.

 

Zuerst erschienen in der Bewegungskolumne des Neuen Deutschland vor einer Woche.

Foto: Ruben Nitsche via photopin CC-BY-NC-SA-Lizenz

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January 19 2014

17:51

Kleine Philosophie der digitalen Sicherheit

butter-sWährend ich eben den Sonntagmorgen-Kaffee kochte und dabei nachsah, was sich über Nacht im Netz tat, stolperte ich über einen Link, den Antje Schrupp bei Facebook weitergereicht hat: “Wir sind zu faul, um nicht überwacht zu werden“, von @dasnuf. Der Impuls, SOFORT dazu bloggen zu müssen, sprang mich an noch bevor ich sah, dass ich selber drin vorkomme.

“Wir sind zu faul,..” um Tools und Methoden kennenzulernen oder zu benutzen, die das digitale Leben besser vor Überwachung schützen, bzw. der Möglichkeit, überwacht zu werden. Oder erstmal davor, dass unsere Daten eingesammelt und verkauft und ausgewertet und gerastert werden. Jeweils von Unternehmen und von Behörden. Möglicherweise. Wenn nicht jetzt, dann später.

Mir zieht sich immer alles zusammen, wenn ich mit dem Argument konfrontiert bin. Nicht, weil ich empörend fände, dass mein Gegenüber faul ist. Eine andere Variante ist, dass es so bequem ist, weil Googlemail eben irre gut funktioniert, die Google Suche genauso, weil es viel schneller geht, eine kurze Nachricht per Facebook-Chat zu schreiben oder als Twitter-DM, statt ‘richtigen Chat’. Allein die Einrichtung von Chatprogrammen – und was nehme ich da überhaupt?

Ich glaube, das erste Mal ist mir das Argument begegnet, als die Post Telefonkarten eingeführt hat, mit denen in Telefonzellen anstelle von Münzen bezahlt werden konnte. Dann die EC-Karten. Die PayBack-Karten. In meinem Leben war von Computern weit und breit noch nichts zu sehen, aber das Problem war das gleiche: es ist viel bequemer, immer die Telefonkarte dabei zu haben, weil im Zweifelsfall nicht genug Groschen im Portemonnaie stecken. (Wir befinden uns Ende der 80er Jahre). Manche fanden das schlimm. Manche fanden das total bequem.

Faul sein ist völlig in Ordnung

Ich finde nicht schlimm, faul zu sein. Eher total normal. Warum ich trotzdem grässlich finde, wenn mir das, meist ein bisschen trotzig, entgegengeschleudert wird, hat verschiedene Gründe (bei DasNuf fand ich es übrigens nicht trotzig, eher nachdenklich).

Am besten lässt sich das vielleicht mit dem (immer hinkenden) Vergleich zu anderen Konsumgütern erklären. Nahrungsmitteln, beispielsweise. Mail-Verschlüsselung mit GnuPG auf Linux ist für mich ein bisschen die Demeter-Butter unter den Brotaufstrichen. Als ich jünger war, habe ich mich aus Überzeugung vegetarisch ernährt, Lebensmittel per Food-Coop bezogen, sonst auf dem Markt gekauft und mir vieles nicht geleistet, um gesund zu leben und die lokalen Bauernhöfe unterstützen zu können. Mit den Jahren und den Kindern habe ich akzeptiert, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt und ich also Entscheidungen treffen muss. Und kann. Und trotzdem ganz gut weiterlebe. Mir geht es aktuell besser damit, das fertige Müsli aus der Tüte in die Schüssel zu schütten, statt am Abend vorher mit der Handmühle Getreide zu schroten und für den Frischkornbrei einzuweichen. Die Kinder essen Toast mit Nutella, manchmal Honig, und wenn wir besonders gut drauf sind, auch mal Müsli (mit Schokostückchen).

Ich habe nach 20 Jahren das vegetarische Essen wieder aufgegeben, und finde das lecker, aber eigentlich falsch. Ich vermute, dass jedesmal, wenn ich das Veganer_innen erzähle, die in etwa das gleiche Gefühl haben wie ich, wenn mir wer erklärt, dass er oder sie Googlemail benutzt. Sie gucken in der Regel so ähnlich: höflich leidend.

Ich verschlüssele Mails seit etwa .. 12 Jahren, ich habe 5-6 Jahre Linux-Betriebssysteme benutzt, nie wirklich gelernt, mit Konsolen umzugehen und kann nicht programmieren. Ich bin alt genug, um MS-DOS kennengelernt zu haben und habe meine politikwissenschaftlichen Hausarbeiten mit der Schreibmaschine geschrieben. Meine Diplomarbeit mit einem 386er schwarz-weiß Laptop mit einem Monitor, der ungefähr so groß war wie die Nintendos meiner Kinder. Ich habe 1981 die erste bundesweite Demonstration besucht (NATO-Doppelbeschluss. Googelt schön). Ich bin immer noch bei Facebook, ich benutze einen Mac und kann erklären, warum. Auch, warum das total schlecht ist.

Mein Job ist es inzwischen, anderen Leuten zu erklären, wie das Internet funktioniert und warum Überwachung möglicherweise ein Problem ist, und dann, was sie dagegen tun können. In der Regel habe ich es dabei mit Leuten zu tun, die das von sich aus wissen wollen. Und unterschiedlich viel Bereitschaft mitbringen, ihre Gewohnheiten zu ändern.

Ein Satz, der eigentlich immer in Gesprächen, Workshops oder Trainings zu digitaler Sicherheit vorkommt und die Grundlage meiner persönlichen Philosophie dazu ist:

Es gibt keine perfekte digitale Sicherheit.

Digitale Sicherheit ist keine Astrophysik

Schon im Zeitalter vor Snowden (abgekürzt: a.S., nach Snowden entsprechend: p.S.) gehörte es zu den beliebtesten Fingerübungen unter Nerds, sich darüber auszutauschen, welche Schlüssellängen für PGP-Schlüssel wirklich sicher seien, bzw. welche Rechenkapazitäten nötig seien, um diese Schüssel zu knacken (also: die dazugehörigen Passwörter maschinell zu erraten). Wusste natürlich niemand, aber es hat halt so einen schönen Gruselfaktor. In diesen Gesprächen ging und geht es in Variationen darum, welche Technologien wirklich wirksam schützen bzw warum diese oder jene nicht wirklich sicher ist. Nach Snowden sind das jetzt Gespräche über Chiffren und eliptische Kurven – Vokabeln, die sich auch in Gesprächen unter Leuten auftauchen, die nicht so richtig verstehen, worum es geht, die aber damit nebenbei ihr Image als Technik-Versteher polieren. Mich hat irgendwann ungeheuer erleichtert, als mir jemand, der gemeinhin als Koriphäe auf dem Gebiet anerkannt ist, erzählte, dass es nur sehr wenige Leute gibt, die Kryptographie (Verschüsselungswissenschaften) wirklich verstehen. (Der Rest baut darauf, dass andere, denen sie vertrauen, wissen, wovon sie reden. Zu der Sache mit dem Vertrauen kome ich später noch.)

Was in diesen Gesprächen meist keine Rolle spielt, ist die praktische Anwendung. Also, wie wahrscheinlich es ist, dass mögliche Gegner – in der Regel Polizeibehörden oder Geheimdienste – im konkreten Fall die nötigen Ressourcen a) haben und b) bereit sind einzusetzen. Ich habe selbst in einem Fall in den Ermittlungsakten nachgelesen, dass der Staatsanwaltschaft schon der Kostenvoranschlag zu teuer war, bei dem es nur darum ging einzuschätzen, welche Ressourcen nötig wären, ein PGP-Passwort zu knacken. Die PGP-verschüsselten Dateien sind bis heute ungeöffnet. Das ist nicht repräsentativ, aber die Überlegung, dass nicht immer alles stattfindet, was möglich ist, spielt in diesen Gesprächen zu selten eine Rolle. Zu oft dagegen geht es unterschwellig um den Beweis, dass einer viel mehr weiß als der andere. Legitim, manchmal auch einfach Spaß, aber keine gute Grundlage für realistische Einschätzungen im Bereich digitale Sicherheit.

Seit Snowden wissen wir auch, dass sehr viel mehr stattfindet, als wir dachten. Das war der Schock, den Tim Pritlove bei der Eröffnung des 30C3 beschrieb; das war die Kränkung, die Sascha Lobo neulich in die FAZ schrieb. Unter Nerds wird das seit dem Sommer halb erleichtert, halb entsetzt so umschrieben “Endlich wissen wir, dass wir nicht bloß paranoid waren”. Wir wissen, dass wir nicht wissen, war mit unseren Daten passiert, aber das mehr oder weniger alles möglich ist.

Die Leaks sind das Sahnehäubchen, aber wir wussten ja schon vorher, dass es keine perfekte Sicherheit gibt. Was heißt das also? Im Hier und Jetzt? Ich rede nicht von den Leuten, die in Ägypten, Syrien, Bahrain von in Deutschland gemachten Trojanern bedroht werden und ohne Gerichtsurteil im Knast landen und gefoltert werden. Die gibt es, aber für die ist das eine andere Frage. Es heißt u.a., dass wir dagegen protestieren müssen und dass das vor allem ein politisches Problem ist. Warum das nicht passiert, habe ich letzte Woche aufgeschrieben.

Zähneputzen

Das Gefühl von Ohnmacht spielt eine zentrale Rolle: Ohnmacht gegenüber der Politik, und Ohnmacht, wenn es darum geht, uns zu schützen. Es gibt übrigens kein Entweder-Oder dabei. Ich höre oft, dass wir das politisch angehen müssen, wenn ich erkläre, dass mehr Menschen Mails verschüsseln sollten, und umgekehrt. Wir brauchen beides. Um nochmal Metaphern zu bemühen: wir brauchen eine öffentliche Gesundheitsversorgung und müssen uns natürlich trotzdem jeden Tag die Zähne selber putzen.

Zurück zur Faulheit. Es juckte mich schon, dazu was zu schreiben, als ich gestern abend per Stream den Vortrag von Geert Lovink bei der Veranstaltung Netzkultur verfolgte, bzw. den Twitter-Stream dazu. Geert Lovink ist ein alter (naja) linker Internet-Theoretiker, der ein paar Grundsätze in die aktuelle Debatte geschüttet hat. Hinterher twitterte @DasNuf

Aus der #nk1314 nehme ich mit: verschlüsseln & dezentralisieren (naja und eine Brezel)

Und ich dachte: Oh je.

Ich sehe mich selber meist als eine Art Übersetzerin zwischen der Welt der Nerds und der der ‘normalen Menschen’, d.h. ich versuche, Tech-Talk verständlich zu machen und komplizierte Prinzipien soweit auf das Wesentiche reduziert zu beschreiben, dass sie anwendbar sind. Immer zulasten der theoretischen Sicherheit, aber da diese Sicherheit nur existiert, wenn sie praktiziert wird, ist es in jedem Fall ein Kompromiss. Insofern bin ich auch Übersetzerin in Richtung der Nerds, die sich selbst, ihre Begeisterung für komplexe technische Dinge und ihre Fähigkeit, zu lernen und anzuwenden gern zum Maßstab aller Dinge machen.

“Oh je” also, weil ich realisierte, dass ich vergessen hatte, dass sowas wie Dezentralität als Prinzip nicht für alle selbstverständlich ist und sich auch überhaupt nicht “von selbst” erklärt. Gut, dass es nochmal erklärt worden war.

Drei Thesen zur Digitalen Sicherheit

Müssen das tatsächlich alle kennen und verstehen? Ich glaube eigentlich nicht. Wichtig finde ich was anderes. Wir können aus mehreren Richtungen auf das Phänomen Digitale Sicherheit gucken:

1. Um Digitale Sicherheit zu erreichen, sind sichere Verschüsselungsmechanismen, einsehbarer und überprüfbarer Programmcode (Open Source), dezentrale Datenspeicherung, Kontrolle über Infrastruktur nötig. Jeder kommerzielle Dienst – also alles, womit andere Geld verdienen – schließt sich aus, wenn nicht vollständig einsehbar ist, wie über ihn Daten verarbeitet werden. (Ich weiß, dass das eine unvollständige Liste ist). Alles, was davon abweicht, kann nicht als sicher betrachtet werden.

2. Weil ich nicht weiß, wer mein Gegenüber ist und nicht weiß, wozu es fähig ist, ist es unmöglich, mich vollständig zu schützen. Auch die beste Verschlüsselung schützt mich nicht vor einem Keylogger (Programm, dass meine Tastaturbewegungen protokolliert und ggbf. an andere weitergibt) oder vor einer heimlich installierten Kamera, die auf meinen Bildschirm gerichtet ist. Seit Snowden erst recht.

3. Weil ich (in der Regel) nicht weiß, wer mein Gegenüber ist und was es bereit ist, gegen mich einzusetzen, und ob überhaupt irgendwer guckt, ist eigentlich jeder Schritt in Richtung mehr digitaler Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung.

Alle drei stimmen. Was völlig widersprüchlich ist, aber so ist nunmal das Leben.

Nochmal der Schlenker zur Ernährungsmetapher: ich finde Massentierhaltung schrecklich, trotzdem esse ich (wieder) Fleisch. Ich bemühe mich, mehrheitlich Bio-Fleisch zu kaufen, aber in Restaurants esse ich auch anderes und sowieso ist es so teuer, dass wir uns das nicht immer leisten können. Meine Kinder sind ausgesprochene Fleischfresser. Wenn ich denen nur zweimal die Woche Biofleisch erlaube und sonst Rührei, setze ich autoritär meine Bedürfnisse gegen ihre durch. (Mal abgesehen davon, dass in den Schulkantinen eh billigstes Käfigfleisch verkocht wird. Eine Privatschule mit selbstgekochtem Bio-Essen können wir uns ebenfalls nicht leisten). Zu jedem einzelnen Punkt gibt es gute Gegenargumente, kenne ich alle.

Worauf ich hinauswill ist, dass es nicht möglich ist, immer alles konsequent richtig zu machen, und das ist in der digitalen Kommunikation nicht anders, jedenfalls solange sie kein Selbstzweck ist.

Auch wenn ich von der Prämisse Nr. 1 ausgehe (kein Facebook, nur Linux, nur verschlüsselt, …) bin ich nicht sicher. Wenn ich weiß, dass nichts wirklich sicher ist, dann habe ich in der Hand zu entscheiden, wieviel Sicherheit ich – neben dem, was ich sonst noch zu tun habe – schaffen kann. Damit bin ich wieder bei Nr. 3: jedes bisschen mehr an digitaler Sicherheit ist ein Schritt in die richtige Richtung. Alternativ könnte ich auch jede digitale Kommunikation einstellen. Ganz im Ernst: wer sich wirksam schützen will, hat momentan eigentlich keine Alternative.

Die logische Reaktion auf diese eher dogmatische Auslegung ist eine, die gut zu “Ich bin zu faul, um nicht überwacht zu werden”: es nützt alles nichts, also lasse ich es gleich bleiben. Aber genau die halte ich für falsch. Nachvollziehbar, auf jeden Fall, aber ich glaube, dass da noch ein Weg ist.

Warum der Weltuntergang als Motivation ungeeignet ist

Was definitiv nicht funktionert ist, Leute, die vor allem aus Freude an elektronischem Schnickschnack viel mit Computern und mobilen Geräten herumspielen, mit Drohungen zu irgendwas zu motivieren. “Wenn Ihr nicht… dann geht die Welt unter”, oder so. Und das Gefühl, aus so vielen Richtungen von datenfressenden Monstern bedroht zu werden, führt höchstens dazu, nichts mehr hören und sehen zu wollen und genauso weiter zu machen wie bisher.

Nötig ist die Bereitschaft, zumindest mal darüber nachzudenken, dass Googlemail zwar echt gut funktioniert, aber dass mir anderes vielleicht doch so wichtig ist, dass ich mal was anderes probiere. Wenn die nicht da ist – geschenkt. Wer ohne Toast mit Aldi-Schokoschmiere morgens nicht leben kann, wird weder Nutella auf Bio-Brötchen noch Vollkornmüsli je anrühren. Da helfen auch keine Online-Petitionen zu den Arbeitsbedingungen in den Aldi-Fabriken.

Bei den anderen hilft bestimmt, sie mal zum Frühstück einzuladen und eine appetitliche Auswahl an Alternativen bereit zu halten. Und daran hapert’s natürlich: die meisten Software-Alternativen sind in graues Packpapier eingewickelt.

Sie sind schwer zu finden, es ist nicht einfach, sie zu installieren – gerade wenn es um Sicherheit geht und wir nicht wissen, ob die unverständliche Frage bei Installieren mit Ja oder Nein beantwortet werden muss und was das für Konsequenzen hat. Dazu kommt, dass sie mir dann nichts nützen, wenn ich davon abhängig bin, dass meine Bekannten, Kolleg_innen, Freunde sie auch benutzen.

Was aber kein Grund ist, sie nicht auszuprobieren. Ich benutze schon lange das SMS-Verschlüsselungs-Programm TextSecure und vom selben Hersteller das Programm Redphone zum Verschlüsseln von Telefongesprächen. Es kommt extrem selten vor, dass die Leute, mit denen ich SMS austausche, dasselbe Programm benutzen, und solange das so ist, hilft mir TextSecure kein bisschen. Andererseits: es stört ich auch nicht. Es ist installiert, ich kann damit genauso gut SMS schreiben, lesen oder Kontakte auswählen. Ich benutze es einfach weiter, rede darüber, helfe beim Installieren und hoffe, dass es langsam immer mehr Leute benutzen.

Es gibt keine ähnlich komfortable Alternative zu Googlemail, zugegeben (es arbeiten aber gerade Leute an einer). Googlemail ist die Brathähnchen-Käfighaltung unter den Mailprogrammen. Das kann man akzeptieren, aber ich jedenfalls komme gut damit zurecht, es ein bisschen weniger bequem zu haben und dafür ein paar Hühnerleben zu retten. Und ich erkläre auch wirklich gern, wie es geht.

Was definitiv fehlt, sind Anlaufpunkte jenseits von Krypto-Parties, wo sich normale Menschen hintrauen und wo die Einstiegshürde nicht ist, sich für Facebook, Mac und Google rechtfertigen zu müssen. Was ich den Krypto-Parties gar nicht unterstellen will, dazu war ich bei viel zu wenigen. Aber als Distinktions-Habitus ist das viel zu verbreitet unter den Leuten, die anderen was beibringen könnten.

Was fehlt ist, dass wir uns alle ein bisschen bewegen: die die vielleicht hier und da was ändern wollen, und die, die dabei helfen können. Und die, die selber Programme schreiben und lernen, was tatsächlich hilfreich ist.

Foto: madlyinlovewithlife / Flickr, CC-BY-NC-ND-Lizenz

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January 05 2014

13:41

Die Schnittmenge zwischen Journalismus und Aktivismus

camera-medium_4773079216Gestern gab es bei DRadioWissen ein einstündiges Gespräch dazu, was den Unterschied zwischen Journalist_innen und Aktivist_innen ausmacht: Das Ende der Unterschiede?. Wenig überraschend sind die Beteiligten zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen, ich fand vor ein paar Tagen schon, dass vor allem gut ist, dass die Debatte über Journalismus stattfindet.

Bei DRadioWissen ging es Juliane Leopold (Zeit Online), Falk Steiner (D-Radio), Daniel Bröckerhoff (Blogger und Freier) und Vera Linß (DRadioWissen) vor allem um die Definition von Journalismus in Abgrenzung zu Aktivismus. Die Diskussion drehte sich um die journalistische Gretchenfrage: Dürfen Journalist_innen eine Meinung haben? Soll bzw. muss die erkennbar sein und wie?

Die klassische Antwort ist, dass sie eine haben dürfen, aber dass sie nicht erkennbar sein soll, es sei denn, sie schreiben einen Meinungsbeitrag, oder Kommentar. Tatsächlich wissen wir natürlich, dass es keinen Text gibt, der rein objektiv, neutral, ‘wahr’ ist. Die eine Wahrheit gibt es nicht – keine besonders revolutionäre Erkenntnis. Bei Naturwissenschaften unterscheidet sich das vielleicht in Nuancen, aber aber auch da beeinflusst die (interessengeleitete) Fragestellung das Ergebnis. Ich bin keine Medienwissenschaftlerin und weiß nicht, ob und wie das sonst diskutiert wird, aber es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass diese Überlegung in Debatten über Journalismus noch nicht eingeflossen sei.

Dazu kommt, dass nicht erst seit gestern bekannt ist, dass Journalist_innen nicht im luftleeren Raum agieren. Im Unterschied zu (den meisten) Blogger_innen verdienen sie mit Journalismus Geld, sind also abhängig von ihren Auftrag- oder Arbeitgeber_innen. Es ist ja kein Zufall, dass die Artikel in der FAZ konservativer sind als die in der Frankfurter Rundschau (waren). Da in der Regel alle über dieselben Themen schreiben (ein anderes, trauriges, Kapitel), müsste nach den in der aktuellen Debatten hochgehängten journalistischen Qualitätsstandards in etwa überall dasselbe stehen. Wenn wir mal davon ausgehen, dass jeweils auf die Einhaltung des Pressekodex geachtet wird, dann dürften die sich eigentlich gar nicht unterscheiden, schon gar nicht zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Weil die Journalist_innen aber Geld verdienen müssen, geht es in den Beiträgen nicht (nur) um ihre eigene Fragestellung, sondern (auch) um die derer, die sie bezahlen. Das ist an und für sich auch nicht schlecht: ich lese (sehe, höre) gern verschiedene Sichtweisen auf ein Thema. Gut wäre eben, wenn das auch Einklang in die Definition von Journalismus fände: dass Journalist_innen Menschen sind, die eine Meinung haben und sich dazu in der Regel in einem Abhängigkeitsverhältnis befinden, und sich beides in ihren Beiträgen wiederfindet.

Als vor knapp 15 Jahren Ende 1999 das unabhängige Medien-Netzwerk Indymedia gegründet wurde, war genau dies eine seiner Wurzeln: Kritik an den bestehenden Medien. Die beiden anderen waren Technik (die Möglichkeit, im Web ein CMS zu betreiben, mit dem alle, die wollten, im Netz veröffentlichen konnten: 1999 revolutionär neu) und Politik (Indymedia verstand sich als mediale Plattform der globalisierungskritischen Bewegung, die sich vor allem in Gipfelprotesten ausdrückte). Indymedia wurde irgendwann vom Web 2.0 überholt und konnte, unfinanziert und von Freiwilligen betrieben, mit den kommerziellen Plattformen nicht mehr mithalten. Viele Indymedia-Aktive haben diese Plattformen mitentwickelt – Twitter beispielsweise hat seine Ursprünge in den Gipfelprotesten um den Jahrtausendwechsel.

Das ‘unabhängig’ im Namen stand und steht für die Medienkritik: kommerzieller, also bezahlter Journalismus ist zwangsläufig abhängig und wird damit auch inhaltlich beeinflusst. Das heißt nicht, dass Journalismus in seiner klassischen Definition zwingend schlecht ist. Es war aber auch die Aufforderung, die Journalismus-Definition endlich vom hohen Ross zu holen und der Realität gegenüberzustellen. Ich amüsiere mich regelmäßig darüber, dass der Begriff “Qualitätsjournalismus” ernst gemeint ist und bspw. im Bundestag immer mal wieder Anhörungen des Kulturausschusses zum Qualitätsjournalismus stattfinden. Irgendwann wurde der Begriff Bürgerjournalismus, auch Citizen Journalism, erfunden für die Leute, die einfach so ihre Beobachtungen, Meinung, Fotos oder Videos in bestimmten Medien veröffentlichen und qua Definition an die hohe Qualität des ‘richtigen’ Journalismus nicht ranreichten. Mir rollen sich die Zehennägel hoch, wenn sich Menschen selbst so bezeichnen. Kurz darauf began die Diskussion darüber, ob Blogger_innen so gut wie Journalist_innen sein können. Die wurde schon erheblich erbitterter geführt, sicherlich auch, weil Blogger_innen in der Regel ein größeres Ego mit sich herumtragen und es ihnen (ok: uns) öfter um Selbstdarstellung geht.

Aus dieser Auseinandersetzung mit Medien und dem alten Begriff des Journalismus rund um Indymedia entstand der Begriff ‘Medienaktivismus’. Und hier schließt sich der Kreis zur aktuellen Debatte darum, ob Glenn Greenwald Journalist oder Aktivist ist. Können Journalist_innen, die sich kritisch mit Medien und der politischen Auseinandersetzung über Medien beschäftigen, überhaupt Journalist_innen sein, oder sind sie zwangsläufig Aktivist_innen, weil es um sie selbst und ihre Rolle geht? Bei DRadioWissen ist diese Diskussion gestern teilweise in Haarspalterei ausgeartet: Wenn ich zu einer Demo aufrufe, bin ich dann Aktivist_in, nicht Journalist_in? Eher Aktivist_in. Was aber, wenn ich als Journalist_in eine_n Politiker_in zum Rücktritt auffordere? Journalismus sei das nur, wenn es gut begründet sei, während Aktivist_innen ihre Überzeugungen nicht begründen müssten, wurde gesagt. An dem Punkt hatte ich den Eindruck, dass die Diskussion erheblich ins Schwimmen geriet. Natürlich müssen Aktivist_nnen ihre Meinung und Forderungen begründen, sonst hört wirklich niemand zu, und mehr als Preaching to the Converted kommt dabei nicht raus. Auf der anderen Seite wäre nicht schwer, zig Beispiele von Journalismus zu finden, bei denen die (belegte) Begründung für Behauptungen fehlt.

Irgendwie wird von der Annahme ausgegangen, dass Journalist_innen in der Lage seien, genügend Distanz zum Thema ihrer jeweiligen Arbeit zu bewahren, während Aktivist_innen das nicht könnten, oder wollten. Die Distanz werde erkennbar in eingefügten Sätzen, die die eigene Position erläutern: “Der Autor hat die Demonstration angemeldet” wurde gestern als Beispiel genannt. In der Form halte ich das für ziemlichen Quatsch, muss ich sagen. Es ist natürlich nicht schlecht, sogar wünschenswert, dass erkennbar ist, in welchem Verhältnis Autor_innen zu ihrem Thema stehen. Aber das ein paar Sätze die entscheidende Trennlinie zwischen Journalismus oder kein Journalismus ziehen, löst das Problem nicht.

Und wenn Journalist_innen über Medien, über Journalist_innen und ihre Situation in den Medien schreiben jenseits von der puren Faktenauflistung, dann sind sie eher Medienaktivist_innen. Medienjournalismus könnten es eigentlich, der Idee des reinen Journalismus folgend, gar nicht geben. Ich denke, dass es ihn schon gibt, aber ich denke ja auch, dass die Definition von Journalismus gründlich erneuert werden müsste.

Es gibt beim unabhängigen, oder Bürgerjournalismus, genauso wie bei Blogger_innen wie eben auch im klassischen Journalismus Beiträge mit journalistischer Qualität. Bei allen drei geht nicht im die Form, sondern um den Inhalt: erkenne ich, wann es sich um möglichst sachliche Beschreibungen handelt und wann um Kommentar? Werden mir unterschiedliche Meinungen zum Thema präsentiert? Werden Quellen belegt?

Und damit ist Journalismus nicht durch den Ort der Veröffentlichung definiert, sondern durch die Qualität des Textes (Beitrags). Wie ich vor zwei Tagen schon schrieb: mir ist bewusst, dass das problematisch ist, weil die Funktion von Journalismus als Kontrolle von Regierungen und Parlamenten aktuell überhaupt nicht unterschätzt werden kann. Aber genauso, wie sich Medien in den letzten Jahrzehnten weiter rasant verändert haben, muss sich die auch die Definition von Journalismus ändern.

Und zu Glenn Greenwald: der ist in (in der Regel) Journalist, wenn er die Leaks von Edward beschreibt und einordnet. Beim 30C3 war er Aktivist. Es ist ja nicht mal kontrovers, dass er auch früher schon Aktivist war und dann erst Journalist wurde. Warum ist das jetzt plötzlich ein Problem?

 

Update: Ich vergaß den Disclaimer, dass ich, gemeinsam mit vielen anderen, 2001 an der Gründung von Indymedia in Deutschland beteiligt und dort bis 2007 teilweise aktiv war.
Und wurde darauf hingewiesen, dass aus dem Text herausgelesen werden könne, ich sei der Meinung, Blogger_innen seien eitler als Journalist_innen. So war das natürlich nicht gemeint!

Foto: svxx via photopin CC-BY-NC-ND-Lizenz

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January 03 2014

01:52

30C3 zum Nachgucken

cch30c3In Hamburg hat über das Wochenende der 30. Chaos Communication Congress stattgefunden, auch einfach ‘der Kongress’ genannt. Ein Kongress der Superlative, größer, großartiger, auch einfach schöner. Mich hat vor allem beeindruckt, wieviele Leute in ihrer Freizeit Dinge für den Kongress ausdenken, vorbereiten, bauen. Schöne Sachen, nur damit alle anderen einen möglichst schönen Kongress haben. Ein eigener Techno-Club für nur vier Tage, mit einer extra gezimmerten Bar, einem alten Wasserwerfer, Palmen, Polstern und irren Lichtinstallationen. Eine selbst gebauten Rohrpost, Kinder-Hack-Programm, Massagezelt und Kaffee-Nerds, die einen Kaffee herstellen, für den ich in Berlin eine Stunde fahren würde, Open-Source-Röstprofile inklusive. An jeder Ecke des riesigen Kongresszentrums was anderes zum Angucken und Freuen. Effekt: durchweg freundliche und gutgelaunte Leute. Und zwar ca. 8.500.

30c3-4chanNebenbei gab es auch noch ein Vortragsprogramm, von dem ich ein paar Sachen empfehlen wollte. Eine rein subjektive Auswahl schon deswegen, weil ich kaum Talks gesehen habe, denn schließlich können die ja auch alle hinterher als Video gesehen werden. Live ist natürlich trotzdem schöner. Hier sind:

Bullshit made in Germany, von Linus Neumann.
De-Mail, Deutschland-Net und die angebliche Sicherheit deutscher Mail- und Cloud-Services gut und witzig erklärt, samt Erläuterung, warum das auf keinen Fall benutzt werden sollte und wer damit Geld verdient.
==> Das Video

Der tiefe Staat, von Andreas Lehner
Politik und Geschichte zur Überwachung in der Bundesrepublik.
==> Das Video (habe ich nur teilweise gesehen, weil ich noch im Zug nach Hamburg saß)

THE DATABASE NATION, a.k.a THE STATE OF SURVEILLANCE, von houndbee
Mein Kollege bei Tactical Tech, Kaustubh Srikanth, beschreibt, wie die größte Demokratie der Erde, Indien, zu einem Überwachungsstaat wird – u.a., weil es wenig Widerstand dagegen gibt.
23rd of December 2008 was a sad day in India for civil liberties. On this day, The Indian Parliament passed the “The Information Technology (Amendment) Act” with no debate in the House, which effectively means is that the government of India now has the power to monitor all digital communications in the country without a court order or a warrant.
==> Das Video

Backdoors, Government Hacking and The Next Crypto Wars, von Christopher Soghoian
Law enforcement agencies claim they are “going dark”. Encryption technologies have finally been deployed by software companies, and critically, enabled by default, such that emails are flowing over HTTPS, and disk encryption is now frequently used. Friendly telcos, who were once a one-stop-shop for surveillance can no longer meet the needs of our government. What are the FBI and other law enforcement agencies doing to preserve their spying capabilities?
==> Das Video

Fnord News Show, von Frank Rieger und Fefe
Eine Einführung in Hacker-Humor, Kongress-Klassiker, sehr unterhaltsam.
==> Das Video

The Internet (Doesn’t) Need Another Security Guide, von evacide
Gute Beschreibung der bekannten Einführungen und Handbücher zur Digitalen Sicherheit von Eva Galperin, EFF. Mit Tips, was beim Schreiben / Gestalten beachtet werden sollte und welche Handbücher noch fehlen.
==> Das Video

Seeing The Secret State: Six Landscapes, von Trevor Paglen
Trevor Paglen sucht und findet geheime Orte, Einheiten und Bestandteile des verborgenen Aktivitäten der USA. Sehr beeindruckend.
Although people around the world are becoming increasingly aware of the United States’ global geography of surveillance, covert action, and other secret programs, much of this landscape is invisible in our everyday lives.
==> Das Video

No Neutral Ground in a Burning World, von Quinn Norton und Eleanor Saitta
Ziemlich großer Sprung in die politische Theorie mit interessanten Ideen und mit Botschaft. Auch hiervon habe ich nur etwa die Hälfte gesehen (die zweite).
The news of the past few years is one small ripple in what is a great wave of culture and history, a generational clash of civilizations. If you want to understand why governments are acting and reacting the way they are, and as importantly, how to shift their course, you need to understand what they’re reacting to, how they see and fail to see the world, and how power, money, and idea of rule of law actually interact.
==> Das Video

Amtliche Datenschützer: Kontrolleure oder Papiertiger? von Peter Schaar
Der langjährige ehemalige Bundesdatenschützer plaudert aus dem Nähkästchen
==> Das Video gibt’s leider noch nicht

Die Bundesrepublik – das am meisten überwachte Land in Europa, von Josef Foschepoth
Die Geschichte der Überwachung in der Bundesrepublik mit vielen den meisten unbekannten Details, u.a. darüber, warum es weiterhin amerikanische Stützpunkte in Deutschland gibt, von denen aus die NSA und die CIA agieren und was politisch nötig wäre, um das zu ändern.
==> Das Video gibt’s leider noch nicht

Jahresrückblick des CCC, von Constanz Kurz, Frank Rieger, Linus Neumann
Der Titel sagt eigentlich alles: das Jahr 2013 aus netzpolitisch-technischer Sicht.
==> Das Video gibt’s leider noch nicht

30c3-demo

Kleine Kongress-Demo von etwa 300 Leuten, die plötzlich mitten im Zentrum Hamburgs stand

(Noch) Nicht gesehen habe ich die folgenden Talks, die ich empfehle, weil entweder andere sie gesehen habe, deren Urteil ich vertraue, oder weil ich Speaker_in und/oder Thema gut genug kenne:

Die Eröffnung, von Tim Pritlove
Allein des spektakulären Films wegen solltet Ihr das gesehen haben. Auf 15 Monitoren.
==> Das Video

Through a PRISM, darkly, von Kurt Opsahl, EFF
From Stellar Wind to PRISM, Boundless Informant to EvilOlive, the NSA spying programs are shrouded in secrecy and rubber-stamped by secret opinions from a court that meets in a faraday cage. The Electronic Frontier Foundation’s Kurt Opsahl explains the known facts about how the programs operate and the laws and regulations the U.S. government asserts allows the NSA to spy on you.
==> Das Video

Keine Anhaltspunkte für flächendeckende Überwachung, von Martin Haase und khamacher
Die Enthüllungen Edward Snowdens haben die deutsche Politik für kurze Zeit in Aufregung gebracht. Für eine Beruhigung reichte es bereits aus, die Enthüllungen in sprachlich-logisch cleverer Weise zu verarbeiten, sie teilweise in ein anderen Kontext zu stellen und so schließlich Entwarnung geben zu können: Die Bundesregierung hat „keine Anhaltspunkte für flächendeckende Überwachung“.
==> Das Video

Nerds in the News, von Friedrich Lindenberg
Knight-Mozilla OpenNews sends coders into news organisations on a ten-month fellowship to make new tools for reporting and measuring the news. We believe that to remain relevant, journalism has to smarten up about tech and data. As a global community, we develop tools to datamine public data, news apps to make information accessible, and visualisations to break down complex stories. In my talk, I want to present the lessons about tech that I’ve learned in a newsroom and the things that still need to be built.
==> Das Video

Concepts for global TSCM, von Andy
Andy Müller-Maguhn über den technischen und politischen Stand der Dinge in der Überwachung und nötigen Konsequenzen.
After studying the various levels of activities that come together in BuggedPlanet and realizing the scope and level of implementation of NSA´s SIGINT theatre, it´s propably time to step back, summarize the big picture and ask how we handle it properly.
==> Das Video

Sim Gishel, von Karl-Heinz Jeron
Ich habe keine Ahnung, wie der Talk war, aber ich weiß, dass nur wenige da waren, weil er nachts um halb 1 anfing und parallel im großen Saal der CCC Jahresrückblick lief, was ziemliches Pech ist. Guckt’s Euch doch mal an.
Sim Gishel is a multimedia robot. He sings and dances on request. He will try hard to take part in casting shows to become a popstar.
==> Das Video

India’s Surveillance State, von Maria Xynou
Nochmal Indien, von einer sehr engagierten Speakerin vom CIS India (Centre for Internet and Society).
==> Das Video

EUDataP: State of the Union, von Jan Philipp Albrecht
The European data protection reform will replace the existing 27 data protection laws in EU member states to form a homogenous legislation regarding data privacy online as well as offline. As the profits of many data collecting corporations are at stake, the European parliament is subject to a storm of lobbyists trying to dismantle citizens fundamental privacy rights.
==> Das Video

 

Per Rad betriebene Kaffeemühle

Per Rad betriebene Kaffeemühle

Calafou, postcapitalist ecoindustrial community, von Acracia
Dubbed The Hacker Monastery by some, this 3 years old effort aims to create a node in a self-sustaining network of cooperatives called Cooperativa Integral Catalana, developed at the site of a 13th century factory which was itself an industrial experiment, and builds on the local traditions of self-organisation and autonomy. Not to be confused with ecovillages, Calafou has a strong technological focus, ranging from software and hardware development through permaculture to crafts based on recycling and local materials.
==> Das Video

Hacking as Artistic Practice, von !Mediengruppe Bitnik
!Mediengruppe Bitnik are contemporary artists. In their talk they will show two examples of their work, illustrating the translation of hacking from the computer field into an artistic practice. Bitnik will show how to hack the opera in ten easy steps and what happens when you send a parcel with a hidden live webcam to Julian Assange at the Ecuadorian Embassy in London.
==> Das Video

To Protect And Infect, Part 2, von Jacob Applebaum
Einer der spektakuläreren Talks, der erst während der laufenden Konferenz in zwei Teile geteilt wurde. Im 2. Teil gab es neue Informationen aus dem Fundus von Edward Snowden.
==> Das Video

07KINGSTON25 JAMAICA: MALARIA UPDATE Dispatches from Fort Meade, von Alexa O’Brien
At Fort George “Orwell” Meade, home of the NSA and the US Defense Information School, managing the message of Chelsea Manning’s trial was facilitated by a lack of public access to most of the court filings and rulings until 18 months into her legal proceeding.
==> Das Video gibt’s leider noch nicht

Dies ist eine völlig subjektive Auswahl entlang meiner Interessen. Es gab viel mehr: alle Talks mit Beschreibungen findet ihr hier, die Videos nach und nach hier.
Viel Spaß!

lounge30c3

 

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Reposted bysmrqdt smrqdt

January 01 2014

15:05

Wer ist Journalistin*?

presse-medium_6413917193Wir haben eine neue Journalismus-Debatte. Glenn Greenwald sprach per Skype die Keynote des 30C3 und sagte dabei ‘wir’ und nicht ‘ihr’, als er über die Folgen der Snowden-Leaks und die politischen Aufgaben sprach, die sich daraus ergeben. Kai Biermann und Patrick Beuth (Zeit Online) finden, dass er damit den heiligen Gral des Journalismus verlassen hat und zum Aktivist geworden ist. In der Folge gab es die obligatorische Twitter-Debatte und weitere Artikel.

Nach der ‘Blogger sind keine Journalisten’- haben wir jetzt also eine ‘Was sind eigentlich Journalisten’-Debatte. Gut so. Dessen Definition ist nämlich nicht so einfach, bei allem Respekt für den journalistischen Ethos und Ubervater Hajo Friedrichs.

Bei Zeit Online wird also gefragt:

Kann jemand gleichzeitig Journalist und Aktivist sein?

Ich fragte mich gestern (twitternd): was ist denn ein Journalist, oder eine Journalistin? Ist das ein Beruf, eine Identität, ein zeitweiliger Zustand? Eine Selbstzuschreibung von mehreren?

Was würde mich eigentlich zur Journalistin machen?

Wenn ich jetzt (wieder) bei einer anerkannten Zeitung schriebe, wäre ich dann Journalistin?

Wenn ich bei einer Zeitungs-Website schriebe, wäre ich dann Journalistin? Aber müsste ich dann aufhören, Aktivistin zu sein?

Oder aus allen Vereinen austreten?

Oder nur aus manchen? Oder dürfte ich nur nicht über Schulangelegenheiten schreiben, wenn ich im Elternverein wäre?

Aber dürfte ich über Schulangelegenheiten bloggen, wenn ich Journalistin wäre? Nur nicht journalistisch darüber schreiben?

Dürfen Journalistinnen nur in journalistischen Medien journalistisch schreiben? 

Oder ist das journalistische Schreiben in nicht-journalistischen Medien kein Journalismus? Was sind nicht-journalistische Medien?

Oder kann ich nicht Journalistin sein, weil ich zuviel nicht-journalistisch schreibe?

Ich könnte immer dann Journalistin sein, wenn ich journalistisch schriebe, aber wenn ich unjournalistisch schreibe, bin ich Bloggerin.

Das hieße, die Identität als Journalistin wäre eine temporäre. Oder gibt es Journalist_innen, die immer Journalist_in sind?

Sind die Blogger_innen, die in journalistischen Web-Zeitungen schreiben, Journalist_innen? Temporär?

Und wenn nicht, sind dann alle Kommentator_innen keine Journalist_innen?

Es waren einige kürzlich unglücklich, weil sie in meiner Twitter-Liste ‘Alte Medien‘ gelandet sind. Es ist ein Synonym für ‘journalistische Medien’, hier also: ‘alt’ als Kontrast zu ‘neu’. ‘Journalistisch’ klingt natürlich schöner. Beides hat viel mit der Selbstzuschreibung zu tun. Und solange das Selbstverständnis (samt entsprechender Praxis) existiert, Journalismus sein ‘anders’, gibt’s eben die eigene Kategorie.

Eine schwammige Trennung, das ist mir nicht erst beim Listen-Sortieren aufgefallen. Ich überlegte eben kurz, diese Fragen in eine angefragte Kolumne (einer Zeitung) zu schreiben. Wären sie dann Journalismus? Sind sie hier keiner?

Ich werde häufig als Journalistin vorgestellt, obwohl ich mich selbst nirgends so beschreibe. Ich habe zwar jahrelang als Online-Redakteurin gearbeitet; das hat gereicht, um mir einen Presseausweis zu verschaffen. Ich finde allerdings, dass ich als Bloggerin viel journalistischer schreibe als als Redakteurin, als ich eigentlich gar nicht ‘wirklich’ schrieb, sondern nur anderer Leute Texte in Form brachte. (Den Presseausweis habe ich jetzt nicht mehr, obwohl ich dank der aktuellen Berufsbezeichnung ‘Editor’ vielleicht wieder einen bekäme. Aber wozu auch.)

Da in meinen Kurz-Bio-Texten gar nicht steht, dass ich mal Redakteurin war, kann die Zuschreibung ‘Journalistin’ nur aus uralten, irgendwo abgeschriebenen Beschreibungen stammen, oder aber benutzt werden, weil sie mehr hermacht als ‘Bloggerin’, oder mir einfach zugeschrieben werden, weil ich mich in der Regel bemühe, meine Behauptungen zu belegen usw usf, also durchaus ein Mindestmaß des bewussten journalistischen Ethos auch beim Bloggen für sinnvoll halte. Leitsatz ist dabei, dass die Realität meist erschreckend genug ist, da ist Übertreibung gar nicht nötig. Ich beschreibe mich nicht als Journalistin, obwohl ich auch gern eine geworden wäre, wäre mein Leben anders verlaufen. (Hier der kleine Exkurs zu den Absagen, die ich bekam, weil ich als Mutter nur Teilzeit arbeiten will).

Natürlich ist sinnvoll, dass es eine Definition für Journalismus gibt. Der Schutz der Pressefreiheit ist wichtig, und seine Funktion als Kontrolle auch. Deswegen ist aber auch nötig, sie der Entwicklung von Technik und Medien anzupassen. Das ist mit den alten Kategorien schwierig.

Dazu kommt das an sich nicht neue Problem, wo die Grenze verläuft, wenn sich Journalist_innen für die Sache der Journalist_innen einsetzen. Ich behaupte, es gibt sie an dieser Stelle nicht. Hier müsste neu gedacht werden, ob Journalismus eine Textform oder eine demokratische Funktion ist, die sich für den Schutz der Pressefreiheit einsetzt, und wie definiert wird, wenn beides zusammenkommt. Das wurde von Patrick Beuth und Kai Biermann versucht, entlang der alten Kategorien. Die greifen aber nicht mehr und so interpretiere ich auch Glenn Greenwald. Die Zeiten sind anders – politisch und technisch -, und wir überlegen besser, was und wie Journalismus sein kann, bevor er von der medialen Evolution überrollt wird.

Update: Ein paar Gedanken zur Zukunft des Journalismus vom Nieman Journalism Lab, die die Fragen auch nicht beantworten, aber Anstöße für den Weg aus der Mottenkiste geben. (Die Mottenkiste ist nicht persönlich gemeint, sondern gilt für das gesamte Genre).

 

*Der besseren Lesbarkeit halber sind Journalisten mitgemeint.

Foto: The PIX-JOCKEY via photopin CC-BY-NC-Lizenz

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December 29 2013

03:20
03:18

December 27 2013

23:48

December 15 2013

16:14
16:13
16:12
Demo gegen Rekriminalisierung von Homosexualität in Indien
Auftakt am Denkmal für die während des Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin

November 24 2013

14:31

Ex-Spione reden über Geheimdienste

whysVor einem Monat, direkt nach der Enthüllung, dass Merkels Handy abgehört wird, gab es bei “BBC World Have Your Say” eine Sendung, die ich eben erst gefunden habe. Interessant dabei ist, dass bei den sechs Gästen auch drei sind, die selbst für u.a. CIA, MI5 und DGSE gearbeitet haben. Also Geheimdienste der USA, Großbritanniens und Frankreichs.

Es reden eine Stunde lang:

How do countries spy on each other?

Diplomatic relations between America and its allies continue to show strain after revelations of large-scale intelligence gathering on citizens, and the interception of some leaders’ phones.

But how do agencies like the National Security Agency gather such large quantities of information?

We speak to those who have worked for intelligence agencies around the world about the realities of eavesdropping and surveillance.

Zum Nachhören beim BBC.

Annie Machon hat die Sendung bei Vimeo hochgeladen:

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